2. Mai 2017

Dr. Klaus Kinkel

Knapp 20 Jahre zählte Dr. Klaus Kinkel zu den Mitgliedern des Kuratoriums der Sepp-Herberger-Stiftung. Mit seiner Wahl zum Vorsitzenden der DFB-Ethikkommission ist der frühere Bundesaußenminister nun aus dem Aufsichtsgremium der Stiftung ausgeschieden. Im Interview spricht er über seine Zeit in Deutschlands ältester Fußball-Stiftung und über die Entwicklung des Behindertenfußballs.

Herr Dr. Kinkel, Sie waren bei fast jeder Endrunde der Deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen vor Ort. Woher stammt Ihre enge Verbindung zu diesem Ereignis?

Egidius Braun hatte mich nach meinem Ausscheiden aus der Bundesregierung für das Kuratorium der Sepp-Herberger-Stiftung gewonnen. Als Kuratoriumsmitglied war ich von Anfang an jedes Jahr bei der Endrunde der Deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen dabei, meist in der Sportschule in Duisburg-Wedau. Es war und ist immer ein beglückendes Erlebnis zu sehen, mit welcher Begeisterung und Hingabe gerade die jungen Menschen mit Handicap Fußball spielen. König Fußball kann – und das wird bei diesen Gelegenheiten ganz ersichtlich – Menschen, die es in ihrem Leben schwerer haben, Spaß und Lebensfreunde vermitteln. Ich bin jedes Jahr neu begeistert.

Wie haben Sie die Veranstaltungen bisher erlebt? Wie ist das sportliche Niveau?

Erstaunlich gut. Zum Teil sind Spieler und einzelne Spielzüge zu bestaunen, die nicht weit weg sind von manchem Amateurfußballspiel. Das Turnier hat sich in den vergangenen Jahren immens entwickelt und ist heute zurecht eine „echte“ Deutsche Meisterschaft.

Wie bewerten Sie die Entwicklung dieses Ereignisses speziell und des Behindertenfußballs im Allgemeinen?

Der Behindertensport insgesamt hat gesellschaftspolitisch „Gott sei Dank“ an Bedeutung gewonnen. Dies gilt auch für die Medien, wo es ja nicht immer so war. Und natürlich ist es nun mal so, dass der Fußball auch und gerade das liebste Kind der Menschen mit Behinderung ist. Dies gilt im Übrigen für körperlich und geistig behinderte Menschen.

Engagiert für die Sepp-Herberger-Stiftung – Dr. Klaus Kinkel

Warum ist Fußball aus Ihrer Erfahrung für die behinderten Menschen so wichtig?

Weil er ihnen Lebensfreude, Begeisterung, körperliche Befriedigung und Spaß vermittelt. Behinderten Menschen kann man nach meiner Erfahrung ganz besonders durch Sport helfen, über manche schwierigen Lebenssituationen hinweg zukommen.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Sepp-Herberger-Stiftung?

Eine ganz wichtige, vorbildliche Rolle, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Durch die Stiftung erhält neben dem kompetitiven und kommerziellen Charakter des Fußballs auch seine soziale Seite einen adäquaten Ausdruck. Der DFB tut über seine Stiftungen ein gutes und manches ausgleichendes Werk.

Wäre es wünschenswert, dass noch mehr behinderte Menschen den Sprung in eine „normale“ Fußballmannschaft schaffen?

Man wird immer an Grenzen stoßen. Aber dass gerade Integration im Fußball eine ganz wichtige Rolle spielt, ist unbestritten. Überdies ist es natürlich eine prima Sache, wenn behinderte Fußballer auch den Sprung in „normale“ Fußballmannschaften schaffen. Hier zeigt die Inklusionsinitiative der Stiftung bereits Wirkung. In zahlreichen Fußballvereinen sind Menschen mit Behinderung bereits vorbildlich integriert. Übrigens nicht nur auf, sondern zunehmend auch außerhalb des Fußballplatzes in ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ich bin sicher, diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren positiv fortsetzen.