29. März 2017

Neben aller Erfolge als legendärer Fußballlehrer lagen Sepp Herberger karitative Zwecke immer besonders am Herzen. So war es immer seine Vision gewesen, gemeinsam mit dem DFB eine Stiftung zur Förderung und Entwicklung des Fußballs im gesellschaftspolitischen Kontext sowie zur sozialen Betreuung von Fußballern in Not zu errichten. Dieser Wunsch wurde Wirklichkeit – am 28. März 1977 vor mittlerweile genau 40 Jahren. Damit ist die Sepp-Herberger-Stiftung die älteste Stiftung im deutschen Fußball.

DFB-Präsident Reinhard Grindel und Dietmar Hopp

Anlässlich seines 80. Geburtstags hatte der Verband seinem Ehrenmitglied Herberger diesen Herzenswunsch erfüllt: Der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger verkündete auf dem Festakt im Rittersaal des Mannheimer Schlosses vor Gästen aus aller Welt die Errichtung der Sepp-Herberger-Stiftung.

Dietmar Hopp: „Stiftung ist sich immer treu geblieben“

„Die Sepp-Herberger-Stiftung hat sich entwickelt, ohne sich zu verlieren und ist sich immer treu geblieben“, sagte Dietmar Hopp, SAP-Gründer, in seiner Ansprache beim Festakt im Mannheimer Rosengarten am Dienstagabend (28. März). Der Stiftungsgedanke werde immer wieder mit neuem Leben erfüllt und sei wichtig wie nie. „Wer oben ist, darf die unten nicht vergessen“ war Herbergers Motto – und er setzte dies stets um. „Kaum jemand konnte die schlichte Brillanz so auf den Punkt bringen wie Herberger“, meinte Hopp: „Er formte Idole, auch weil er bodenständig blieb und nie vergaß, woher er kam.“

Festredner – SAP-Gründer Dietmar Hopp

„Sein Ziel war es, da zu sein, wenn er gebraucht wurde, wenn Leute in Not geraten sind. Das war beeindruckend“, sagte sein langjähriger Wegbegleiter Uwe Seeler, DFB-Ehrenspielführer und Nationalspieler unter Herberger: „Daher war die Errichtung der Stiftung auch das größte Geschenk, das der DFB ihm machen konnte.“ Der DFB brachte einen Vermögensgrundstock von einer Million D-Mark in die Stiftung ein, ehrte das Lebenswerk von Sepp Herberger und legte zugleich ein starkes Fundament für sein gesellschaftspolitisches Engagement.

„Stiftung die authentische Fortsetzung von dem, was ihm wichtig war“

Wie das Stiftungswerk mit Leben gefüllt wurde, erlebte der große alte Mann des deutschen Fußballs nicht mehr. Genau einen Monat nach seinem 80. Geburtstag starb Sepp Herberger am 28. April 1977 in einem Mannheimer Krankenhaus. Testamentarisch hatten er und seine Frau Eva, die kinderlos geblieben waren, noch verfügt, dass der umfangreiche Nachlass und ihr gesamtes privates Vermögen der Stiftung zugeführt werden sollten. So flossen nach dem Tod von Eva Herberger 1989 unter anderem der Erlös aus dem Verkauf des Herberger-Hauses und Wertpapiere in die Stiftung.

„Schon weit vor seinem Tod hat er sich für problembeladene Menschen eingesetzt und damit begonnen, soziale und karitative Projekte zu fördern, zu unterstützen oder zu initiieren“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Die Stiftung ist eine authentische Fortsetzung von dem, was ihm wichtig war.“ So gehen einige der heutigen Stiftungsaktivitäten unmittelbar auf Herberger selbst zurück – wie die soziale Betreuung von Fußballern in Not oder die Förderung der Resozialisierung von Straffälligen durch den Fußballsport.

„Ich wäre mit dem Fahrrad zu Herberger gefahren“ – Uwe Seeler

„Wenn jeder nur ein bisschen hilft, kann man sehr viel bewegen“

Seeler erinnert sich noch ganz genau: „Für jeden, der es schafft, lohnt sich der Kampf. Das hat schon Herberger gesagt und das ist immer noch richtig. Wenn jeder nur ein bisschen hilft, kann man insgesamt sehr viel bewegen.“

Der Auftrag der Stiftung ist klar umrissen: Hierzu gehören neben der Unterstützung des Fußballs in Justizvollzugsanstalten, die Förderung des Fußballs im Behindertensport sowie im Jugend- und Schulbereich. So ist die Stiftung Hauptinitiator der Blindenfußball-Bundesliga, dem einzigen nationalen Wettbewerb für blinde Fußballer in ganz Europa. Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Sozialwerk für die Betreuung von Menschen, die als aktive Sportler, als ehrenamtliche oder hauptamtliche Mitarbeiter in Verbänden und Vereinen gesundheitliche Schäden erlitten haben oder notleidend sind.

Durch Seeler, Kahn und Co. lebt Geist fort

Auch wenn es das Schicksal nicht wollte, dass Sepp Herberger noch aktiv etwas zum Gelingen der ersten Fußball-Stiftung in Deutschland unter dem Dach des DFB beitragen konnte: Doch durch seine früheren Spieler lebte und lebt ihr Geist fort. Fritz Walter und Horst Eckel oder Uwe Seeler besuchten Justizvollzugsanstalten. Später auch Nationalspieler, die nicht mehr unter ihm spielten wie die heutigen Stiftungsbotschafter Oliver Kahn und Jens Nowotny.

Dietmar Hopp geht es wie so vielen: „Der Moment meines Lebens hat mit Sepp Herberger zu tun. Ich war damals 14 Jahre alt. Ich werde die 90 Minuten vom Finale niemals vergessen. Damals ging ein Ruck durch das Land. Der Fußball darf uns als wichtige Plattform für gesellschaftliche Werte nicht verloren gehen.“ Dabei leistet die Sepp-Herberger-Stiftung seit 40 Jahren ihren Beitrag. Für den Fußball. Für die Menschen.