15. Juli 2016

Es war nicht der erste Besuch von Ralf Minge im sächsischen Waldheim. Im Jahre 1985 bestritt der frühere Mittelstürmer (36 A-Länderspiele) mit der Nationalmannschaft der DDR hier ein Freundschaftsspiel gegen den Bezirksligisten SG Dynamo Waldheim. Am Ende hieß es in diesem ungleichen Duell 10:1 für die Nationalmannschaft. 31 Jahre später ist Minge gestern (14. Juli 2016) wieder in der rund 9.000 Einwohner zählenden Kleinstadt in Mittelsachsen zu Gast gewesen. Auch diesmal führte ihn der Fußball hierher.

1985 bestritt Ralf Minge mit der Nationalmannschaft der DDR ein Freundschaftsspiel gegen Waldheim

Ralf Minge erinnert sich zurück: 1985 bestritt er mit der Nationalmannschaft der DDR das Freundschaftspiel gegen Waldheim

Der Sportmanager der SG Dynamo Dresden besuchte im Auftrag der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes die Justizvollzugsanstalt (JVA). Die Einrichtung feiert in diesem Jahr ihr 300-jähriges Jubiläum. „Wir sind die älteste, dauerhaft in Betrieb befindliche Haftanstalt in Deutschland“, erklärte Harry Kempf, der die 408 Haftplätze zählende Vollzugseinrichtung leitet.

Der Sport hat auch in der JVA Waldheim eine große Bedeutung. Zu DDR-Zeiten waren nahezu alle Spieler der SG Dynamo Waldheim hier als Mitarbeiter beschäftigt. Heute organisiert Steffen Fichte mit seinen Kollegen ein umfangreiches Sportangebot: „Wir bieten jeden Tag verschiedene Sportmöglichkeiten an. Am liebsten spielen die Inhaftierten Fußball.“

Minge: „Mir war es wichtig hierher zu kommen!“

Zum 300-jährigen Jubiläum wurde eigens ein Fußballturnier organisiert. Die einzelnen Hafthäuser traten gegeneinander an. Beim Besuch von Ralf Minge stand das Endspiel an: Haus 1 gegen Haus 2. Am Ende setzten sich die Spieler aus Haus 2 mit 4:2 durch. Der frühere DFB-Trainer Minge war vom sportlichen Niveau angetan: „Es war ein spannendes und äußerst faires Finale.“

Zu Besuch in der JVA Waldheim - Ralf Minge (2vr)

Zu Besuch in der JVA Waldheim – Ralf Minge (2vr)

Bei der Siegerehrung überreichte Minge Bälle und Trikots an die Aktiven und berichtete den rund 360 Inhaftierten über die aktuelle Situation beim Zweitligisten in der sächsischen Landeshauptstadt. Minge nahm sich viel Zeit an diesem Tag, berichtete über den Stand der Vorbereitung und das anstehende DFB-Pokalspiel gegen RB Leipzig und erfüllte zahlreiche Autogrammwünsche. „Mir war es wichtig, heute für die Sepp-Herberger-Stiftung hierher zu kommen und mit den Inhaftierten zu sprechen“, betonte der Ex-Nationalspieler, der unter anderem von Jörg Gernhardt, dem 1. Vizepräsidenten des Sächsischen Fußball-Verbandes, begleitet wurde.

Minge war nicht der erste Repräsentant Deutschlands ältester Fußballstiftung, der die Einrichtung besuchte. „Fritz Walter und auch Horst Eckel waren vor einigen Jahren bereits bei uns zu Besuch“, erzählte Harry Kempf. „Solche Besuche sind für uns ganz besondere Ereignisse und bleiben unvergessen.“ So hatte es Sepp Herberger sich einst  gewünscht.