2. Dezember 2015

Bis vor kurzem war die SG Eltmann ein ganz normaler Sportverein in Bayern. Mit Abteilungen für Turnen, Judo, Kegeln und natürlich Fußball. Mit rund 600 Mitgliedern, was bei einem rund 20 Kilometer von Bamberg entfernt gelegenem Städtchen mit 3.500 Einwohnern – 5.500, das Umland mit eingerechnet – nicht schlecht ist. Die Fußballer der 1. Mannschaft spielen in der Kreisliga; der Verein schafft es, von der U7 bis zur U19 durchgehend Jugendmannschaften zu stellen. Die U11 und die U13 sind sogar doppelt besetzt. Jetzt ist der Verein für sein Engagement um Flüchtlinge positiv in die Schlagzeilen geraten.

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Mit der gemeinsamen Initiative „1:0 für ein Willkommen“ der Bundesbeauftragten und des Deutschen Fußball-Bundes werden Vereine, die Flüchtlingen ein Fußballangebot machen, unterstützt.

Fußball-Abteilungsleiter Günter Preissner weiß nicht, ob er sich so richtig freuen soll: „Der mediale Hype hat uns schon überrascht.“ Ende Oktober hatte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoguz, in einem sid-Interview öffentlich bekannt gemacht, dass die SG Eltmann schon der tausendste Verein in Deutschland ist, der eine finanzielle Förderung erhält. Eine Idee kommt an. „1:0 für ein Willkommen“, die gemeinsame Initiative der Bundesbeauftragten und des Deutschen Fußball-Bundes, unterstützt Vereine, die Flüchtlingen ein Fußballangebot machen. Denn gerade der Fußball kann Menschen, die vor Bedrohung und Elend geflohen sind, wieder ein Stück Normalität bereiten. Gestaltet und umgesetzt wird die starke Kampagne durch die DFB-Stiftung Egidius Braun. Preissner: „Die Aufmerksamkeit freut uns natürlich, aber andererseits ist es egal, ob wir jetzt der 999., 1000. oder 1001. Verein sind. Wichtig ist doch vor allem, dass der Deutsche Fußball-Bund mit seiner Stiftung und Staatsministerin Aydan Özoguz die Basis- und Alltagsarbeit der ehrenamtlich in den Vereinen Tätigen für die Integration der Flüchtlinge anerkennen.“

Textilien, Fahrräder und Stadtrundgang

Keine Frage, die 500 Euro sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Hände in den Schoß legen werden die Verantwortlichen bei der SG Eltmann deshalb auch weiterhin nicht. Preissner: „Wir besorgen denen, die bei uns mitmachen wollen, Schuhe, Trainingstextilien und Fahrräder, damit sie mobil sind. Kürzlich haben wir für 30 Leute einen Stadtrundgang organisiert, damit sie sich grob in der Historie der Stadt auskennen und wissen, wo welche Verwaltungsgebäude liegen.“

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Die Verantwortlichen bei der SG Eltmann engagieren sich auch weiterhin für Flüchtlinge.

Die Umgangssprache im Training ist anfangs Englisch, aber sehr schnell lernen die Flüchtlinge auch die ersten Begriffe auf Deutsch. Außerdem bedarf es keines Deutschkurses, um gemeinsam Fußball zu spielen. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn sich die Einheimischen und die Neuankömmlinge nach einem gelungenen Spielzug im Training gegenseitig auf die Schulter klopfen“, sagt Günter Preissner.

Inzwischen spielen schon fünf Flüchtlinge in den beiden Seniorenmannschaften mit. Den SG-Verantwortlichen freut das: „Da wir einige Verletzte haben, hätten wir sonst unter Umständen unsere zweite Mannschaft vom Spielbetrieb abmelden müssen.“ Entstanden ist die SG Eltmann im Jahre 1974 aus einer Fusion; Fußball wird in dem Städtchen bereits seit 1919 gespielt, die Turner blicken sogar auf eine Vereinshistorie seit 1866 zurück.

Im Rahmen der Initiative „1:0 für ein Willkommen“ wurden bisher mehr als 1.200 Fußballvereine bundesweit für ihr Engagement unterstützt.

Informationen zur Initiative unter: http://www.egidius-braun.de/engagement-fuer-fluechtlinge/