27. Oktober 2015

Willkommenskultur in Unterfranken: Die SG 1866 Eltmann macht bei der Aktion „1:0 für ein Willkommen“ mit. Der kleine Klub aus dem Bayerischen Fußball-Verband ist der 1000. Verein, der im Rahmen der Flüchtlingsinitiative der DFB-Stiftung Egidius Braun und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration unterstützt wird. Der Mehrspartenverein aus der 3300-Einwohner-Ortschaft etwa 30 Kilometer östlich von Schweinfurt begann im Frühjahr, Flüchtlinge zum Fußball einzuladen.

 

Logobalken Flüchtlingsinitiative2 Kopie„Als Fußballer erleben Flüchtlinge eine ganz andere Anerkennung in unserer Gemeinde. Und ohne ihre Anmeldungen hätte ich keine 2. Mannschaft melden können. Es ist eine Win-Win-Situation“, sagt Günther Preissner, Leiter der Fußballabteilung. Acht Flüchtlinge aus dem Senegal, Eritrea, dem Kosovo, Somalia, Syrien und Afghanistan hat der 49-jährige in die beiden Kreisliga-Teams und die A-Jugend integriert. Der Rest spielt vorerst in eigens für sie eingerichteten Freizeit-Mannschaften des unterfränkischen Vereins.

Finanzhilfe von 500 Euro für engagierte Vereine

1:0 für ein Willkommen - Staatsministerin Aydan Özoguz

1:0 für ein Willkommen – Staatsministerin Aydan Özoguz

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der auch dem Kuratorium der DFB-Stiftung Egidius Braun vorsitzt, und Staatsministerin Aydan Özoğuz hatten „1:0 für ein Willkommen“ im März auf der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Die Resonanz seitdem ist riesig. Unterstützt werden Fußballvereine aus ganz Deutschland, die Flüchtlinge zum Fußballspielen einladen, sie in Mannschaften integrieren, bei Behördengängen begleiten oder Sprachkurse organisieren. Je Verein wird schnell, unkompliziert und niedrigschwellig eine Finanzhilfe von 500 Euro bereitgestellt. Anfangs war ein Zuschuss für 600 Vereine budgetiert, doch aufgrund des großen Bedarfs der Basis soll bis Jahresende jeder berechtigte Antrag bewilligt werden. Seit März wurden bisher mehr als 500.000 Euro aufgewendet. Im kommenden Jahr stehen 300.000 Euro für weitere 600 Klubs zur Verfügung. Die Initiative soll bis zum Jahr 2019 verlängert werden.

„Fußball fördert die Begegnung, schafft Verständigung und baut wechselseitige Vorurteile durch gemeinsames Erleben ab“, sagt Aydan Özoğuz. „Kein Team hat Erfolg ohne Zusammenhalt. Für junge Leute bietet das gemeinsame Spiel eine gute Chance, spielerisch Deutschland kennenzulernen.“

Bearbeitung in der Regel innerhalb von 48 Stunden

In den 221 Tagen seit dem Startschuss dreht sich das Tagesgeschäft der in Hennef ansässigen DFB-Stiftung Egidius Braun größtenteils um die Flüchtlingsinitiative. Pro Tag werden Dutzende Vereinsbewerbungen erfasst, die Leistungen katalogisiert, die Anträge geprüft und bewilligt, anschließend die Schecks ausgestellt und verschickt. Für Stiftungsmitarbeiterin Angelika Keller beginnen die Werktage im Büro meist schon um 6.00 Uhr morgens. Nur dieser erhöhte Einsatz ermöglicht es, dass die Hilfe schnell und unkompliziert ihr Ziel erreicht. In der Regel liegen zwischen Eingang und Abwicklung maximal 48 Stunden.

Gemeinsam engagiert für Flüchtlinge - Aydan Özoguz und Wolfgang Watzke (beide Bildmitte)

Gemeinsam engagiert für Flüchtlinge – Aydan Özoguz und Wolfgang Watzke (beide Bildmitte)

Begleitend zur Initiative erschien die Broschüre „Willkommen im Verein“ mit Tipps und Hinweisen für die Vereinsarbeit mit Flüchtlingen, etwa bei Fragen zum Versicherungsschutz oder der Spielberechtigung. Wolfgang Niersbach schließlich setzte selbst ein Zeichen durch seinen Besuch bei Fußballspielen mit Flüchtlingsteams im hessischen Egelsbach und in Leipzig.